Nachtrag — Die Sache in St. Lucia

Das Accessoire für jedes Schiff ist das Beiboot, eine Form der Handtasche, die man braucht, sobald man das Boot verlässt. Im Wettbewerb von sehen und gesehen werden spielt die entsprechende Motorstärke eine entscheidende Rolle. Auch, aber wichtiger ist die Geschwindigkeit an sich und ob man über das Wasser fliegt oder mehr oder weniger dümpelt.

Bei der Selbstoptimierung war nun ein schwächelnden 4Takter mit 6 PS durch einen 2Takter mit 10 Ps zu ersetzen, was genau den Unterschied zwischen langsam und so schnell darstellt, dass ich alleine nur ungern Vollgas fahre. Die Seglerfreunde Sarah und Christian bringen uns auf die Idee, in St. Lucia den neuen Motor zu kaufen, weil er dort am günstigsten ist.

Während der Neue eingestellt wird, ist Jörg irgendwie weg und ich warte im Schatten. Ich bemerke, dass ein Taxifahrer mich merkwürdig umschwirrt und so biete ich ihm den alten Motor gleich zum Kauf an. 400US$ ist die Ansage. Nur nach Augenschein, ohne eine Probefahrt zu machen, willigt der Mensch in den Kauf ein. Er öffnet noch sein Portemonnaie und zeigt mir Geld. Ich wundere mich und denke, er könne ja zur Bank gehen. Stattdessen will er noch eine Taxifahrt machen, solange wird der Motor beim Händler zwischengelagert.

Soweit so gut. Voller Stolz verkündige ich Jörg, dass ich den alten Motor erfolgreich verkauft habe. Wir freuen uns. Am späten Nachmittag kommt der ersehnte Anruf, dass die Übergabe abgewickelt werden könne. Ich rausche in den Hafen und sehe ihn von Weitem winken. Ich überreiche ihm eine Tüte mit Handbuch und Ersatzteilen, und er streckt mir freudig eine 100 Dollarnote entgegen. Nach vielem thanks and please sage ich schlicht: ” There are another 300 US missing, Sir.” Und komme mir stark vor, schließlich will man nicht verarscht werden. Der Käufer windet sich noch, wir hätten über East Carribien Dollar gesprochen, da nehme ich mir einfach die Tüte zurück, gebe ihm die 100US$ wieder und bin weg.

Der Trick auf ein Missverständnis zu setzen, ist geläufig. Die Währung East Caribien Dollar ist an den US $ gebunden. Im Wechselkurs zum Euro ergibt sich ungefähr ein Verhältnis von 1€:3,3EC.  Es hat sich auch bewährt, bei Ausflügen etc. in der vereinbarten Währung im Vorwege anzuzahlen, um eben diesem merkwürdigen Geschäftsverhalten nicht ausgeliefert zu sein.

Tage später, als Björn an Bord ist, betreten wir beide gerade das Werftgelände in Le Marin und sind auf dem Weg zum Secondhandhändler, als er von vier Arbeitern umlagert wird. Schließlich verkaufen wir das alte Ding für 450 € und sind zufrieden. Ich fliege fortan über das Wasser, mehr will ich nicht. Die neue Handtasche immer im Blick.

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