Gerührt und nicht geschüttelt

Wir kommen nach einer gelungenen Überfahrt mit 7 kn im Schnitt abends auf Virgin Gorda auf den British Virgin Islands an. Das sind 226 sm von den Isles des Saintes aus. Festzustellen ist, dass bei diesen Fahrten über Tag und Nacht ein gewisser Toni Buddenbrook Effekt eintritt. Als es bereits mittags ist, sitzt sie in ihrer Hamburger Zeit noch im Morgenrock gekleidet am Tisch.

Wir bemerken an uns, dass Strukturen wichtig sind, damit nicht morgens wie mittags wird. Die klare Einteilung in eine abwechselnde 3 Std Wache bewährt sich; für den Rudergänger ist die Zeit überschaubar, der andere kann etwas schlafen. Zeitoptimierung ist wieder angesagt. Wache halten, schlafen, essen und so weiter. Das Schiff zieht trotz großer Welle seine Bahn, manchmal haben wir auch 10 kn auf der Uhr. Ich sehe das Kreuz des Südens über mir. ‘Sein Lieblingswort war durchhalten’, geht mir dabei nicht aus dem Sinn.

Ähnlich tragisch wie Aschenbach ergeht es uns, als wir in Virgin Gorda feststellen müssen, dass nun auch die 2. Maschine nicht mehr zuverlässig in die Gänge kommt. Wir beschließen nun wirklich vernünftig zu handeln und dem Übel auf den Grund zu gehen. Was macht man hilflos in der Fremde?

Mr. Penns, der Hafenmeister aus Roadtown auf Tortula, der uns schon vor 2 Jahren so gut geholfen hat, ist vielleicht eine Lösung.( ” Neben der Linkskurve “,2017) Die Sehnsucht nach einer Stadt wird auch schon dadurch befeuert, dass es nur dort funktionierende Geldautomaten gibt.

Bei der Anfahrt wissen wir nicht mal, ob es ihn und sein Büro noch gibt. Schließlich sind die Spuren von ” Irma” und ” Maria” hier auf den Inseln deutlich zu sehen. ( Was für ein Aufwand, dass die Menschen sich in eine Fähre setzen müssen, um an einen funktionierenden Geldautomaten zu gelangen. Die eigene Währung ist aufgelöst, bezahlt wird nur in US $.)

Da sitzt er nun, mein Mr. Penns, und erkennt mich nach zwei Jahren wieder. Etwas muss ich allerdings nachhelfen, indem ich Jörgs Zahnproblem vor zwei Jahren erwähne. Was mich dann aber umhaut, ist sein Blick auf den Schreibtisch. Da sehe ich eine Flasche Rotwein mit Karte und Tüddelband, die kommt mir seltsam bekannt vor. Ich bin gerührt, dass er unser Geschenk so lange aufgehoben hat.

Er ist es auch wieder, der uns Clay, den Mechaniker vermittelt. Nach zwei Tagen schütteln die beiden Maschinen ihre Allüren ab ( Kon im Getriebe erneuert) und schnaufen wieder verlässlich vor und zurück.

Dass diese Reparatur mit einem Tag Vorlauf in einem Tag erledigt war, ist ein Glück. Andere Mitsegler warteten vier Wochen auf ein Getriebeersatzteil in Martinique, das dann doch nicht kam. Das kleine Vermögen, das diese Reparatur gekostet hat, muss man als Segler halt abbuchen. Shit happens.

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