{"id":1856,"date":"2018-03-19T00:03:53","date_gmt":"2018-03-18T23:03:53","guid":{"rendered":"http:\/\/isenbiel.info\/wordpress\/?p=1856"},"modified":"2023-02-19T13:21:39","modified_gmt":"2023-02-19T12:21:39","slug":"landratten-an-bord-die-etwas-andere-urlaubserfahrung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/isenbiel.info\/wordpress\/2018\/03\/19\/landratten-an-bord-die-etwas-andere-urlaubserfahrung\/","title":{"rendered":"Landratten an Bord &#8211; die etwas andere Urlaubserfahrung"},"content":{"rendered":"<p>Karibik \u2013 Palmen und Sonne und ich sitze vorne am Bug und genie\u00dfe meinen Kaffee \u2013 mit \u00e4hnlichen Gedanken landeten wir \u00fcberm\u00fcdet auf Grenada und wurden von Inge und J\u00f6rg herzlich empfangen.<\/p>\n<p>Der gewohnte Hotelurlauber checkt ein, packt seine Koffer aus und los geht\u2019s.<\/p>\n<p>Der ungewohnte Katamaranbesucher sieht sich noch vor Erreichen des Reiseziels der H\u00fcrde ausgesetzt, die schweren Reisetaschen in ein Beiboot zu bef\u00f6rdern und dann in selbiges zu steigen, ohne gleich bei der Ankunft einen Tauchgang zu absolvieren.<!--more--><\/p>\n<p>An Bord angekommen befanden wir uns in einer \u00e4u\u00dferst komfortablen Unterbringung \u2013 eigene Koje, eigenes Badezimmer und vom Bett aus den Blick in den Himmel. Wider besseres Wissens hatte ich zuviel eingepackt und es galt, die Reisekleidung in einem Schrank unterzubringen, in den zu Hause gerade mal die Unterw\u00e4sche passt.<\/p>\n<p>Die ersten Tage in der Bucht von Grenada gingen wir in die Isenbielsche Segelschule und bekamen die Order f\u00fcr unseren Aufenthalt:<\/p>\n<p>&#8211; Wo ist was an Bord \u2013 K\u00fchlung der Lebensmittel, Aufbewahrung von Alkohol, welche Schalter d\u00fcrfen nicht mal angesehen geschweige denn angefasst werden und \u2013 ganz wichtig \u2013 wie funktioniert das WC<\/p>\n<p>&#8211; Wie ist der Ablauf \u2013 der fr\u00fche Vogel f\u00e4ngt den Wurm, sp\u00e4testens um 7.30 Uhr beginnt der Tag, mittags gibt es einen ausgedehnten Mittagsschlaf und gegen 22 Uhr begibt man sich zur Verhinderung eines Komas in die Schlafkoje<\/p>\n<p>&#8211; Auf welchem Kanal funken wir \u2013 ganz wichtig, um nicht an Land zur\u00fcckgelassen zu werden, wann k\u00f6nnen die Handys geladen werden und wann gibt es Wifi<\/p>\n<p>&#8211; Alles rund um das Beiboot \u2013 der Beibootunterricht geh\u00f6rte mit zu den elementaren Stunden f\u00fcr den Ernstfall, dass n\u00e4mlich die gesamte Besatzung aus dem Beiboot f\u00e4llt und man selbst pl\u00f6tzlich verantwortlich ist und nicht ungebremst in das n\u00e4chstliegende Schiff kracht<\/p>\n<p>&#8211; Palstek und Achtknoten \u00fcben \u2013 liebe Inge, lieber J\u00f6rg, die Pr\u00fcfung haben wir leider nicht bestanden<\/p>\n<p>&#8211; Wie sichere ich mich auf dem Boot \u2013 wo fasse ich an und wo nicht, um nicht \u00fcber Bord zu gehen. Wie sichere ich meine Sonnenbrille, wie sch\u00fctze ich mich vor einem Sonnenstich<\/p>\n<p>&#8211; Und ganz wichtig: was essen wir heute? Die Beschaffung von Nahrungsmittel, deren Zubereitung und Vernichtung war ein ganz wesentlicher Teil des Aufenthaltes.<\/p>\n<p>Es gibt an Bord sehr viele Regeln, die unbedingt einzuhalten sind, um weder die Sicherheit noch die Ausstattung zu gef\u00e4hrden.<\/p>\n<p>Der Tag beginnt sp\u00e4testens um 7.30 Uhr mit einem Schwimmtraining und es ist angebracht, sich als Gast nicht auf ein morgendliches Bad zu beschr\u00e4nken, sondern aktive 10 Runden um das Schiff zu schwimmen und anschlie\u00dfend mindestens 15 Klimmz\u00fcge zu absolvieren, um Inges Frage \u201eHast du trainiert oder warst du etwa nur baden?\u201c richtig beantworten zu k\u00f6nnen. Das Wasser ist wunderbar warm und weich und es ist eine Freude mit den Flossen Gas zu geben. Geduscht wird drau\u00dfen, um das Salz nicht in das Schiff zu tragen. Auch die Schuhe bleiben drau\u00dfen, um den Befall von Ungeziefer zu verhindern.<\/p>\n<p>Nach ein paar Tagen hatten Inge und J\u00f6rg den Eindruck, wir seien nun so fest im Seesattel, dass ein kleiner Ausflug in die n\u00e4chste Bucht gewagt werden k\u00f6nnte, ohne dass wir \u00fcber Bord gehen. Wie komfortabel ist im Gegensatz zu einem Einrumpfer ein Katamaran: Nicht jeder bewegliche Gegenstand muss verstaut werden, sondern bis auf einige wenige Dinge konnte alles an seinem Platz bleiben.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Fahrt ist der Gast ohne Segelerfahrung einfach nur Gast und kann die Fahrt in vollen Z\u00fcgen genie\u00dfen, sofern der Wind das zul\u00e4sst. Die Aufteilung der jeweiligen Arbeitsabfolgen bei der Abfahrt, w\u00e4hrend der Fahrt und bei der Ankunft sind mehr oder weniger klar verteilt: Es gibt einen Kapit\u00e4n f\u00fcr die Verantwortung und einen Matrosen f\u00fcr die Arbeit.<\/p>\n<p>Ganz wichtig erschien mir die Kommunikation mit der Au\u00dfenwelt \u2013 das Empfangen und Versenden von Nachrichten war problemlos an Bord m\u00f6glich. Um die aktuellen Zeitungen zu laden oder Fotos auszutauschen oder den neuesten Tatort wie zu Hause zum kuscheligen Sonntagabendevent zur Stelle zu haben, begibt sich der Segler an Land und sucht eine Bar oder ein Restaurant auf, die jeweils kostenlos Wifi zur Verf\u00fcgung stellen.<\/p>\n<p>Als Inge und J\u00f6rg das erste Mal zu Ihrem Karibikabenteuer aufbrachen, habe ich mich gefragt, was machen die beiden eigentlich den ganzen Tag, wenn sie nicht segeln. Jetzt wei\u00df ich es. Der Tag verfliegt im Nu. W\u00e4hrend der Gast an Bord sich viele sch\u00f6ne erholsame Stunden mit Baden vergn\u00fcgt und an der Reling sitzend den Blick ins Unendliche schweifen l\u00e4sst, gibt es f\u00fcr den Kapit\u00e4n und seine Crew immer etwas zu tun: Frischwasser ist herzustellen, Klappen, die nicht mehr schlie\u00dfen, sind gangbar zu machen, abgerissene Wasserschl\u00e4uche zu ersetzen, Flugrost zu entfernen, das Schiff sauber zu halten, Sonnensegel aufzubauen, den Ladezustand des Stroms festzustellen und Algen zu entfernen. Der Instandhaltungsaufwand ist aufgrund des hohen Salzgehaltes im Wasser und in der Luft enorm.<\/p>\n<p>Ganz wichtig ist auf der Courante die Nahrungsaufnahme. Die Koordination des Einkaufes muss durchdacht sein, da es nicht in allen Superm\u00e4rkten alles gibt. Wenn eingekauft wird, dann in gro\u00dfen Mengen. Die Verpflegung an Bord entsprach einem **** Hotel, das Fr\u00fchst\u00fcck kam vom Franzosen, das Mittagessen h\u00e4ufig garniert mit frischen Fr\u00fcchten und zum Abendessen gern ein mehrg\u00e4ngiges Men\u00fc. Selbst das Ausnehmen von fliegenden Fischen war f\u00fcr die K\u00fcche kein Problem.<\/p>\n<p>Nach 14 Tagen haben Inge und J\u00f6rg uns den Eindruck vermittelt, dass wir trotz unserer eingeschr\u00e4nkten Segelkenntnisse und meines v\u00f6lligen Versagens bei der richtigen Verknotung der Leinen sowie des mehrmaligen Verdrehens des Au\u00dfenduschschlauches vollwertige Crewmitglieder geworden sind und als solche wurden wir dann auch auf den unz\u00e4hligen Ein- und Ausreiseformularen betitelt.<\/p>\n<p>Wir hatten eine wunderbare Zeit mit euch und an Bord eurer SY Courante und sagen hierf\u00fcr ganz lieben Dank.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karibik \u2013 Palmen und Sonne und ich sitze vorne am Bug und genie\u00dfe meinen Kaffee \u2013 mit \u00e4hnlichen Gedanken landeten wir \u00fcberm\u00fcdet auf Grenada und wurden von Inge und J\u00f6rg herzlich empfangen. 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