{"id":1997,"date":"2018-04-18T22:42:21","date_gmt":"2018-04-18T20:42:21","guid":{"rendered":"http:\/\/isenbiel.info\/wordpress\/?p=1997"},"modified":"2023-02-19T13:18:37","modified_gmt":"2023-02-19T12:18:37","slug":"im-unterhemd-zum-dienst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/isenbiel.info\/wordpress\/2018\/04\/18\/im-unterhemd-zum-dienst\/","title":{"rendered":"Im Unterhemd zum Dienst"},"content":{"rendered":"<hr>\n<p>Auf Martinique versichert uns Stephanie, dass Dominica mittlerweile sicher sei, und so machen wir uns nach den gemeinsamen Ostertagen mit Sarah und Christian von der F\u00dcRRITT und Dorothea und Frank von der FRADOLIN auf den Weg.<\/p>\n<p>Die Sch\u00e4den, die der Hurrikan Maria hinterlassen hat, sind von der Seeseite weithin sichtbar. Die Grundfarbe Gr\u00fcn hat zu Braungrau gewechselt, an den Bergh\u00e4ngen finden sich die Spuren von Erdrutschen, gro\u00dffl\u00e4chig sind ganze H\u00e4nge kahl und unwirtlich geworden.<!--more--><\/p>\n<p>Wir werden freundlich von Laurence of Arabia, den wir schon vom letzten Besuch her kennen und als zuverl\u00e4ssig sch\u00e4tzen gelernt haben, empfangen und verabreden eine Rundfahrt \u00fcber die Insel. Zun\u00e4chst hei\u00dft es f\u00fcr mich aber einklarieren und den ganzen Papierkram erledigen.<\/p>\n<p>Am Steg in Portsmouth liegt ein kleiner Frachter mit Ladegeschirr, der Wellblech und Holz entl\u00e4dt. In Ufern\u00e4he ist ein riesiges UN-Zelt . Als ich hineinschaue, sehe ich Matratzen und US-AID Pakete auf Paletten gestapelt. Da das urspr\u00fcngliche B\u00fcro wohl zerst\u00f6rt ist, frage ich mich zum neuen durch. Die Beschreibung f\u00fchrt mich vor ein zweist\u00f6ckiges Haus ohne Dach und offensichtlich unbewohnter 2. Etage. In einer kleinen Einzimmerwohnung sehe ich Stempel, Durchschlagpapier und die \u00fcblichen vielfarbigen Antragsformulare lose auf einem Tisch verteilt liegen.<\/p>\n<p>Bevor ein Offizieller kommt, erz\u00e4hlt mir ein Mann, dass viele L\u00e4nder beim Wiederaufbau helfen: die USA, Frankreich, Gro\u00dfbritannien, Venezuela, Kuba und China. Von den 70.000 Einwohnern der Insel sind 20.000 ins Ausland gegangen, verst\u00e4rkt nach Antigua.<\/p>\n<p>Der &#8218;Beamte&#8216; erscheint in Flipflops und Shorts mit Unterhemd und h\u00e4ndigt mir die bekannten Papiere aus. Er gibt mir noch die Unterlagen einer franz\u00f6sischen Yacht mit dem Hinweis, ich k\u00f6nne da ja auch abschreiben. Das Land hat andere Sorgen. Die Ausweise will er gar nicht erst sehen. Als ihm aber bei der Durchsicht auff\u00e4llt, dass ich mich als Master\/Skipper eingetragen habe, wei\u00df ich, dass er doch aufpasst. Er schmunzelt.<\/p>\n<p>Auch in anderer Hinsicht muss improvisiert werden. Behelfsbr\u00fccken, noch aus der Zeit vom Hurrikan ERIKA, Abbr\u00fcche an den Stra\u00dfen, die mit enormen Betonverst\u00e4rkungen repariert werden. Die Infrastruktur ist soweit, dass die abgelegene Schokoladenmanukaktur nach ungef\u00e4hr 7 Monaten wieder Strom hat. Die Produktion steht still, auch weil es keine Kakaobohnen gibt und die Kokospalmen nicht mehr tragen, aber man will wieder produzieren. Stillstand auch in der Bierfabrik und der Palmolive- und Colgateherstellung. Die Universit\u00e4t, die so wie so nur ausl\u00e4ndischen Studenten vorbehalten war ! , ist vorl\u00e4ufig geschlossen. Der Schulbetrieb l\u00e4uft, auf den Pausenh\u00f6fen stehen gro\u00dfe UNICEF- Zelte.<\/p>\n<p>Wir fragen uns, wovon die Menschen leben, stellen in Gespr\u00e4chen aber immer wieder fest, dass sie an einen Neubeginn glauben und die Gef\u00e4hrdung durch die Naturkatastrophen zu ihrem Leben dazugeh\u00f6rt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Fahrt \u00fcber Dominika sind wir deprimiert und stellen leider fest, dass es den Geberl\u00e4ndern wohl wichtiger ist, dass man an den Aufschriften der vielen Plastikplanen sofort breitfl\u00e4chig erkennt, woher sie kommen. Viele H\u00e4user und H\u00fctten sind aufgegeben oder notd\u00fcrftig nur mit blauen Planen bedeckt. Das Fort in der Rupertsbay im 17.Jhd aus massivem Stein gebaut und mit rotem Ziegelstein bedeckt, steht da wie ein stummer Zeitzeuge. Es hat keine Sch\u00e4den davongetragen. Auch wenn die neue Stra\u00dfenbeleuchtung Solar gest\u00fctzt sein soll, will man es so recht nicht glauben, dass es leuchtet, bevor der n\u00e4chste Hurrikan kommt.<\/p>\n<p>Immerhin die neuen Kathedralen der Technik, die Handymasten, haben alles \u00fcberstanden und so werden die Leute \u00fcber Facebook genau informiert und wissen, in welche Schutzr\u00e4ume sie gehen k\u00f6nnen. MARIA hatte sich aber schon vorher durch massivste Regenf\u00e4lle bei sehr geringen Winden unheilvoll angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p>Wir haben f\u00fcr unsere Autofahrt bestimmt zu viel bezahlt, zumal unser Fahrer auch etwas wortkarg gewesen ist. Wie sollte er auch anders, wenn &#8218; destroyed&#8216; das g\u00e4ngige Attibut ist.<\/p>\n<p>Dominika ist sicher, und wir sollten unbedingt dort hinfahren, um die Menschen zu unterst\u00fctzen.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf Martinique versichert uns Stephanie, dass Dominica mittlerweile sicher sei, und so machen wir uns nach den gemeinsamen Ostertagen mit Sarah und Christian von der F\u00dcRRITT und Dorothea und Frank von der FRADOLIN auf den Weg. Die Sch\u00e4den, die der Hurrikan Maria hinterlassen hat, sind von der Seeseite weithin sichtbar. 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