{"id":2409,"date":"2018-11-14T14:16:02","date_gmt":"2018-11-14T13:16:02","guid":{"rendered":"http:\/\/isenbiel.info\/wordpress\/?p=2409"},"modified":"2018-11-14T14:29:21","modified_gmt":"2018-11-14T13:29:21","slug":"7-tage-sind-auch-nur-eine-woche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/isenbiel.info\/wordpress\/2018\/11\/14\/7-tage-sind-auch-nur-eine-woche\/","title":{"rendered":"7 Tage sind auch nur eine Woche"},"content":{"rendered":"<p>Mittwoch<\/p>\n<p>Im Flieger bin ich abgelenkt durch Gabys Schmonzette: Maiken Nielsen, &#8222;Unter uns der Wind&#8220;. Zwei englische Jungm\u00fctter im Flieger erregen meine Aufmerksamkeit. Die eine ist vorher im Nagelstudio gewesen und ihre futuristischen langen Wimpern wirken eher aufgeklebt.<\/p>\n<p>Sie verschafft sich Freir\u00e4ume, indem sie die mitreisende Familie einspannt, das Kind auch mal alleine spielen l\u00e4sst und zum entsetzten Entz\u00fccken der anderen Mutter\/ Zwillingsmutter zur medialen Waffe greift. Ausgestattet mit Kopfh\u00f6rern und bruchsicherem iPad, beides stilsicher in pink gehalten, ist das Baby so ferngesteuert, das ihm unbemerkt die Flasche aus dem Mund f\u00e4llt.<!--more--><\/p>\n<p>Die andere Mutter schaut neidisch ablehnend hin\u00fcber und fragt unausgesprochen ihren Mann : Warum machen wir das nicht? Die Haare aufgel\u00f6st, nicht gegessen, nicht geschlafen, muss sie abwechselnd eins der beiden Kinder auf den Arm nehmen und beruhigen. Der Vater fragt selbst beim Wickeln noch nach. Sie wei\u00df auch alles besser. Er wird wahrscheinlich demn\u00e4chst in ein Elektronikgesch\u00e4ft gehen.<\/p>\n<p>Beim Zoll in Grenada laufe ich wieder in die Frauenfalle und muss die mitgebrachte Backskistenverschl\u00fcsse mit 30% verzollen. J\u00f6rg w\u00e4hlt einen Zollbeamten und kommt mit unseren anderen Ausr\u00fcstungsgegenst\u00e4nden problemlos durch.<\/p>\n<p>Donnerstag<\/p>\n<p>Der Tag vergeht wie im Zeitraffer. Das Schiff ist eine Ger\u00fcmpelkammer und irre dreckig. Wir schaffen es noch vor der Mittagshitze, den Sonnenschutz anzubringen. Jules und Frank besuchen uns auf der Werft und laden uns zu einem Barbeque am Freitag ein. Das Wiedersehen ist herzlich, leider muss Frank die N\u00e4harbeiten f\u00fcr das Beiboot verschieben. Als wir gerade ein 1\/4 der Putzarbeiten fertig haben, tauchen auch unsere Werftnachbarn Konny und Hermann auf. Wir freuen uns alle, schimpfen \u00fcber Dreck und Hitze und verabreden uns abends zum Essen. Da sind wir dann gedanklich wieder in Deutschland: das k\u00fchle Wetter ( lecker!) und bequemes Wohnen ( auch sch\u00f6n! ).<\/p>\n<p>Freitag<\/p>\n<p>Der Tag wird f\u00fcr uns zum Schwarzen Freitag. Die Batterie ist wieder tiefenentspannt und wehrt jeden Ladeversuch ab. Der erste Kontaktversuch zu Mastervolt Deutschland endet irgendwo erfolglos im weltweiten Netz. J\u00f6rg entwickelt verschiedene Szenarien, die alle nicht gut sind. Ohne es zu diskutieren, steht die Frage im Raum: Warum tun wir uns das an? Wir k\u00f6nnten das Schiff auch verkaufen und mit dem sch\u00f6nen Geld sch\u00f6n bequem als Passagier rumsegeln. Lass uns doch Babies sein .<\/p>\n<p>Trotz der Freude, die anderen wiederzusehen, trotz der guten Soulmusik , &#8211; trotz ist irgendwie wie ein Klotz &#8211; , bin ich traurig und zweigeteilt. Selbst w\u00e4hrend der Fahrt im Beiboot kommt mir die Luft merkw\u00fcrdig schw\u00fcl vor, das Wasser dunkel und schwarz. In der Schleppleine taumelt die eigene Seele hinterher.<\/p>\n<p>Samstag<\/p>\n<p>Was macht man mit einem lustlosen Sch\u00fcler? Man gibt ihm Struktur und formuliert erreichbare Ziele. So liegen wir in unserem klimagek\u00fchlten Appartement , das neben der Werft ist, und \u00fcberlegen, was wir wie und wann schaffen wollen. Die Verkaufsidee ist indirekt motivierend. Aufh\u00fcbschen, Werterhalt und Funktionsf\u00e4higkeit werden zur neuen Leidkultur.<\/p>\n<p>Von Konny und Hermann lernen wir, dass wir auf der Werft professionell &#8220; betreut&#8220; werden. Steven, der Manager, ist ein Organisationstalent und echt zuverl\u00e4ssig. Wir lassen hier in der Spice Island Marina das Unterwasserschiff streichen, Absperrventile f\u00fcr das Motork\u00fchlwasser und den Backbord Propeller g\u00e4ngig machen. In Sachen Mastervolt geht hier nichts, da werden wir Montag mit Deutschland telefonieren m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Abends sind wir mit Konny und Hermann unterwegs. Es gibt es gute Musik. Leider wird die Stimme der S\u00e4ngerin etwas zu sehr von dem Keyboardspieler \u00fcbert\u00f6nt. Es ist entsetzlich laut. Ganze Familien sind unterwegs. Irgendwo schreit ein Baby dazwischen. Es beruhigt sich trotz des L\u00e4rms auch wieder.<\/p>\n<p>Sonntag<\/p>\n<p>Unser Tagesziel: weiter sauber machen und die Leinen einziehen, die sich noch als buntes Durcheinander darstellen.<\/p>\n<p>Vom Nachbarschiff t\u00f6nt laut und sehr amerikanisch ein Mann : &#8222;Hey, guys. Don&#8217;t worry, I am watching you. You are doing a good job. I am learning by watching.&#8220; Jedenfalls stellt sich heraus, dass Ben ein Schiff gekauft hat und nun voller Sorge ist, ob es seiner Frau wohl auch gefallen werde. Er schaut mich dabei erwartungsvoll an. Ich wei\u00df nur, dass ich vor 2 Tagen das Schiff am liebsten verkauft h\u00e4tte und komme mir mit meinen Ratschl\u00e4gen wie eine Verr\u00e4terin vor.<\/p>\n<p>Nach 3 Jahren Golf sucht Ben nun neue Herausforderungen. Wir verstehen uns auf Anhieb und gehen am Abend zusammen aus. Ben will uns am n\u00e4chsten Tag beim Einziehen des Gro\u00dfsegels helfen, damit er wei\u00df, wie es geht. Wir finden den Vorschlag ziemlich gut.( ziemlich schwere Arbeit) Seine vielen Fragen und sein Konzept learning bei watching lenkt uns zwar immer ab, hebt aber unsere Stimmung ungemein. Au\u00dferdem hat er einen guten Musikgeschmack.<\/p>\n<p>Montag<\/p>\n<p>Der Tag ist gut und schlecht. Gut, weil der Kontakt mit Mastervolt in Deutschland klappt und unser vermeintliches Katastophenproblem sich als Bedienfehler darstellt, was immer die sch\u00f6nste Fehlerquelle ist.<\/p>\n<p>Als Ben an Deck kommt, findet er es sehr befremdlich, dass wir morgens <a dir=\"ltr\" href=\"outlook-data-detector:\/\/10\">um 6.00 Uhr<\/a> schon und dann so laut telefonieren m\u00fcssen. Die Zeitverschiebung zu Deutschland ist schnell erkl\u00e4rt. Warum das bisschen Schlaf mehr auf der Werft so wichtig ist, sollen wir sp\u00e4ter erkennen.<\/p>\n<p><a dir=\"ltr\" href=\"outlook-data-detector:\/\/11\">Um 8.30 Uhr<\/a> kommen die echten Werftarbeiter. Die jungen M\u00e4nner arbeiten an der ALLEGRIA von Konny und Hermann. Sie unterhalten sich \u00fcber das Wochenende, lachen sehr viel. Ich verstehe nur Bruchst\u00fccke, weil sie Creole sprechen. Es erschlie\u00dft sich schnell, dass der ganze Schlagabtausch \u00fcber Sex geht. Der eine hat Liebeskummer und wird liebevoll von den anderen wieder aufgemuntert. Daf\u00fcr k\u00fcmmert er sich darum, dass Ben seinen guten Soundtrack wieder laufen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Zu dritt schaffen wir das Gro\u00dfsegel einzuziehen und liegen anschlie\u00dfend ganz gl\u00fccklich geduscht in unserem runter gek\u00fchlten Apartment, als uns die unheilvolle Botschaft erreicht, dass wir ausziehen m\u00fcssen. Das Apartment war nur f\u00fcr 4 Tage gebucht.<\/p>\n<p>Die erste Nacht an Bord wird unvergesslich unterirdisch.<\/p>\n<p>Dienstag:<\/p>\n<p>Ich entwickele f\u00fcr mich den Knall mit dem Glanz und hole mir Rat bei einem der Arbeiter, der immer schon geschaut hat und alles f\u00fcr eine question of cleaning h\u00e4lt. So schaut er mir auch \u00fcber die Schulter und sorgt daf\u00fcr, dass ich die Sicherheitsma\u00dfnahmen einhalte und auch ja alles richtig mache. Es geht mit S\u00e4ure an den Belag und siehe da, wie im Chemieunterricht l\u00f6st sich das Salz von alleine. Es stinkt entsetzlich.<\/p>\n<p>Zusammen polieren wir noch das Schiff. J\u00f6rg l\u00e4sst sich dann leider von Ben zu einem Drink an Bord abwerben. Und so liegen die beiden entspannt im Trapez vorne und feixen und machen Spr\u00fcche. Ich muss mich aber nicht mehr emanzipieren und bin stolz auf den sichtbaren Erfolg meiner Arbeit.<\/p>\n<p>Mittwoch<\/p>\n<p><a dir=\"ltr\" href=\"outlook-data-detector:\/\/14\">Um 10.00 Uhr<\/a> geht es ins Wasser. Die Maschinen laufen, und so fahren wir erstmal raus, bis J\u00f6rg in einem unerwarteten Windsto\u00df seinen Panamahut verliert.<\/p>\n<p>Jules fragt sp\u00e4ter, ob wir ein Problem gehabt h\u00e4tten. Wir lachen und befinden, dass es doch eine nette Idee ist, um den eigenen Hut zu kreisen, statt um sich selbst.<\/p>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<p>Von meinem iPad gesendet<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mittwoch Im Flieger bin ich abgelenkt durch Gabys Schmonzette: Maiken Nielsen, &#8222;Unter uns der Wind&#8220;. Zwei englische Jungm\u00fctter im Flieger erregen meine Aufmerksamkeit. Die eine ist vorher im Nagelstudio gewesen und ihre futuristischen langen Wimpern wirken eher aufgeklebt. 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