{"id":2628,"date":"2019-02-04T23:46:31","date_gmt":"2019-02-04T22:46:31","guid":{"rendered":"http:\/\/isenbiel.info\/wordpress\/?p=2628"},"modified":"2019-02-04T23:52:30","modified_gmt":"2019-02-04T22:52:30","slug":"und-man-siehet-die-im-lichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/isenbiel.info\/wordpress\/2019\/02\/04\/und-man-siehet-die-im-lichte\/","title":{"rendered":"&#8222;und man siehet die im Lichte&#8230;..&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Ich helfe als Skipperin bei Sarah auf der F\u00dcRRIT aus, und so kommen wir wieder von Martinique nach St. Lucia, wo ich Holger kennen lerne, der hier seit 7 Jahren lebt. Im abendlichen Gespr\u00e4ch mit ihm stelle ich fest, dass er einen tieferen Einblick in das Leben hier hat. Wir verabreden uns zu einem Interview, das den Schwerpunkt Schule und Ausbildung haben soll.<!--more--> Das Bildungssystem ist noch wie zu Zeiten der kolonialen Abh\u00e4ngigkeit am englischen Vorbild orientiert: klare Unterteilung in private Anbieter mit besserer Qualit\u00e4t und in ein nur mittelm\u00e4\u00dfiges \u00f6ffentliches Schulwesen, das aber auch Schulgeld kostet. 400,-EC$ (ca. 130 Euro) sind f\u00fcr 3 Monate zu bezahlen, zuz\u00fcglich 50,- EC$ f\u00fcr Essen und Getr\u00e4nke pro Monat. S\u00e4mtliche Materialien sowie die Ausgaben f\u00fcr die Schuluniform kommen noch dazu. Als Privatschulen gibt es die Internationale und eine an Montessori orientierte Einrichtung. Privat initiiert ist auch die Betreuung im Krippen und Elementarbereich, nursury &#8211; school , day &#8211; care, preschool, kindergarden und die homeschool, Privatunterricht, der zuhause stattfindet. Die Kosten f\u00fcr ein 5 -j\u00e4hriges Kind in einer Montessori Einrichtung belaufen sich auf 800,- EC ( ca. 260 Euro) pro Monat. Ein preschool Besuch f\u00fcr 4 J\u00e4hrige kann zwischen 450 und 750 EC f\u00fcr 3 Monate kosten. Holger berichtet aus eigener Erfahrung, dass die nursury &#8211; school, die unserem Elementarbereich entspricht, mit 3 Gruppen a 20 Kindern begonnen und nach einem halben Jahr sich bereits auf eine Gruppe mit 15 Kindern reduziert habe. Hintergrund ist die soziale Lage der Frauen, die \u00fcberwiegend alleinerzeihend sind und das Schulgeld nicht mehr bezahlen k\u00f6nnen. Einen Fond oder Unterst\u00fctzung gibt es nicht. Wer kann, sucht sich private Tr\u00e4ger, die mit eigenen G\u00e4rten f\u00fcr die Kinder durchaus europ\u00e4ischem Standard entsprechen. Eine Schulpflicht gibt es theoretisch f\u00fcr Kinder ab 5 Jahren mit Beginn der primery school. Erscheint ein Kind nicht mehr zum Unterricht, fragen die Lehrer zwar nach, es gibt aber keine staatliche Institution, die nachfasst. Der Bildungserfolg h\u00e4ngt davon ab, ob die Eltern es wollen und finanziell schaffen. Die Schulausbildung endet bei entsprechender Leistung mit dem Collageabschluss. Der soziale Status der Eltern entscheidet dar\u00fcber, ob eine universit\u00e4re Ausbildung m\u00f6glich ist. Eine berufliche Ausbildung findet nicht statt, sodass es nur angelernte Arbeiter gibt, deren Arbeitszeiten und Verdienstm\u00f6glichkeiten ungeregelt sind. Urlaubsanspruch und Sozialleistungen sind nur bei internationalen Hotel- und Supermarktketten vorhanden, weil es dort Gewerkschaften gibt. Im \u00f6ffentlichen Raum gibt es keine Spielpl\u00e4tze. Die, die durch private Initiative entstehen, wie der Indoor- Spielplatz in einem Einkaufszentrum, kosten gerne auch mal 20EC$ Eintritt. Die Kinder und Jugendlichen tragen Schuluniformen und unterscheiden sich durch die jeweilige Schule und den Jahrgang. Die M\u00e4dchen d\u00fcrfen nur beim Sport Hosen tragen, ansonsten sind Kleid und Rock angesagt. Zus\u00e4tzlich tragen sie bei der vorherrschenden Hitze noch Shorts darunter, um sich vor Blicken zu sch\u00fctzen. Die Lehrer geben zum Teil vor, welche Uniform an bestimmten Tagen zu tragen ist. Der Sinn dieser Disziplinierung erschlie\u00dft sich nicht. Die Frage nach der Perspektive dr\u00e4ngt sich auf. Wohin sollen die jungen Collageabsolventen? Eine effektivere Organisation der Arbeit w\u00fcrde noch mehr Leute arbeitslos machen. Das Land ist abh\u00e4ngig vom Tourismus, der aber in der Hurrikanzeit ( von Anfang Juni bis Ende November) faktisch zum Erliegen kommt. Damit gibt es weniger Arbeit f\u00fcr die Frauen, die vornehmlich in der Gastronomie besch\u00e4ftigt sind. Als Alleinerziehende sind sie dann auf einen Sponsor oder auch mal auf einen Sugar Daddy angewiesen. Wer kann, wandert ab. Als ich mit dem Beiboot fahre, um Sarahs G\u00e4ste abzuholen, winkt ein Mensch am Rand und m\u00f6chte mitgenommen werden. Es ist ein \u00e4lterer Zahntechniker aus \u00d6sterreich, der mir gleich stolz verk\u00fcndet, dass er hier gut verdiene und man ja keine Steuern bezahle. 40km entfernt liegt Martinique mit seinem franz\u00f6sischen Bildungssystem. Manche Mutter aus St. Lucia l\u00e4sst ihr Kind dort von &#8218; Verwandten&#8216; adoptieren, um ihm eine Perspektive zu geben und Kindergeld zu bekommen. &#8220; Denn die einen sind im Dunkeln und die anderen sind im Licht und man siehet die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht.&#8220; Ich glaube, es h\u00e4tte dem Verfasser der Dreigroschenoper auch nicht gefallen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich helfe als Skipperin bei Sarah auf der F\u00dcRRIT aus, und so kommen wir wieder von Martinique nach St. Lucia, wo ich Holger kennen lerne, der hier seit 7 Jahren lebt. Im abendlichen Gespr\u00e4ch mit ihm stelle ich fest, dass er einen tieferen Einblick in das Leben hier hat. 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