{"id":300,"date":"2016-12-09T16:54:04","date_gmt":"2016-12-09T15:54:04","guid":{"rendered":"http:\/\/isenbiel.info\/wordpress\/?p=300"},"modified":"2017-07-03T12:26:54","modified_gmt":"2017-07-03T10:26:54","slug":"aufbruch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/isenbiel.info\/wordpress\/2016\/12\/09\/aufbruch\/","title":{"rendered":"Wie auch immer &#8211; Aufbruch"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ohne Erdung<\/strong><br \/>\n&#8222;Welche Lieder wollen wir denn singen? Ich w\u00e4hl da mal was aus&#8220;, war Rainers Vorschlag&nbsp;gewesen.&#8220; Als Zugabe spiele ich Imagine, weil das Schiff doch so hei\u00dfen k\u00f6nnte.&#8220;<br \/>\nWir landen abends in Fort de France und sind komplett falsch angezogen. Schlie\u00dflich war es bei unserem Abflug in Hamburg am 1. November um 6 Uhr morgens ziemlich ungem\u00fctlich gewesen.<\/p>\n<p>&nbsp;MItten in der Nacht konnten wir uns von Bj\u00f6rn, unserem Sohn, noch mit herzlicher Umarmung verabschieden. Tr\u00e4nen waren keine geflossen, wir wollten nun auch los und unser Abenteuer starten. Er \u00fcbernimmt das Haus in Hamburg und wird es mit seiner WG bestimmt bespa\u00dfen.<\/p>\n<p>Viele Abschiede und eine gelungene Abschlussparty liegen hinter uns. Unser Freund Rainer hat das ganze Haus zum Beben gebracht. Unvergesslich bleibt &#8220; La Paloma &#8222;, alle sind in diesem Augenblick zusammen und keiner will ein Foto machen. Selten sp\u00fcren so viele Menschen das Gleiche, Abschied und Aufbruch. Steigerung gab es noch durch &#8222;ALoha&#8220;, was die Kleinen rudernd unterst\u00fctzten. Es gibt auch mulmige Gef\u00fchle, wenn ich mir vorstelle, was ich alles aufgebe und welche Herausforderungen auf mich zukommen. Schaffen wir auch alles? Dreht man nicht ein zu gro\u00dfes Rad?&nbsp;<\/p>\n<p>Wir finden uns jedenfalls selber stark und wissen von einander um unsere F\u00e4higkeiten, die sich super erg\u00e4nzen.<\/p>\n<p>Als wir endlich aus dem Flughafen raus sind, laufen wir erstmal gegen eine Wand. Es ist total schw\u00fcl und hei\u00df. Der Boden atmet Pisse aus. Eine&nbsp;Frau macht uns bei der Autovermietung aufmerksam:&#8220; Faites attention \u00e0 votre baggage&#8220;.<\/p>\n<p>Hier stinkt es, du wirst beklaut und \u00fcberhaupt ist es viel zu warm, sind die ersten Eindr\u00fccke.<\/p>\n<p>Am Himmel streiten sich die Blitze, es ist so dunkel, dass wir im Auto das Gef\u00fchl haben, kaum Licht anzuhaben.<\/p>\n<p>Eine Irrfahrt zu unserer Wohnung in der Anse d&#8217;Arlet beginnt. Es regnet, die Klimaanlage funktioniert erst mal nicht so richtig, alles ist beschlagen. Man sieht nichts. Wir rasen durch die Dunkelheit und verfahren uns auch deshalb, weil wir uns die Gegend sch\u00f6nreden. &#8220; Das ist doch die richtige Abfahrt &#8222;. Beinahe h\u00e4tten wir noch einen Hund , der pl\u00f6tzlich viel zu dicht an der Stra\u00dfe stand, \u00fcberfahren. So \u00e4hnlich muss es sich in &#8220; Fegefeuer der Eitelkeiten&#8220; angef\u00fchlt haben, als die beiden, er und seine Geliebte mit breitem S\u00fcdstaatenakzent, orientierungslos durch das n\u00e4chtliche New York rasen. Jedenfalls l\u00e4uft die kleffende Meute viel zu lange mit uns mit, was ziemlich bedrohlich wirkt. Als ich zwei Wachleute nach dem Ort frage, beschl\u00e4gt meine Brille so als k\u00e4me ich gerade aus oder in die Sauna. Klarheit ergibt sich schnell, wir sind im falschen Ort gelandet. Also weiter. \u00dcberhaupt ist es so derartig laut um uns herum, dass wir ernsthaft auf die Idee kommen, das geliehene Auto w\u00e4re kaputt. J\u00f6rg verlangsamt die Fahrt. Die Ger\u00e4usche und der Krach ,vergleichbar mit gesch\u00fcttelten leeren Flaschen kommt deutlich von au\u00dfen. Irgendwie liegt es wohl auch daran, dass wir total \u00fcberanstrengt sind und die Wahrnehmung so \u00fcberspannt ist.<\/p>\n<p>Wir finden die Wohnung dann doch und werden schon von Ann, die f\u00fcr die TO Leute arbeitet, erwartet. Duschen, duschen, duschen und dann weiter sehen. Ann hat f\u00fcr uns Fr\u00fcchte besorgt und so genie\u00dfen wir im seidenen Bademantel sitzend diese K\u00f6stlichkeiten und fangen an zu ahnen, dass sich eine neue Welt er\u00f6ffnen wird.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag werde ich wach, weil es wie aus allen Eimern gie\u00dft und auch die Palmen vor unserem Balkon missbilligend klappern und die Bl\u00e4tter h\u00e4ngen lassen. Wo bin ich hier eigentlich gelandet? Wer gibt mir mein altes Leben wieder ? Es hat sich aber angenehm auf circa 25 Grad abgek\u00fchlt.<\/p>\n<p>Uns ist klar, dass wir heute schon mal &#8222;Schiff luschern &#8220; wollen und bestimmt einen Weg in den Werftbereich finden werden. Nach dem Einkauf sehen wir dann auch schon die&nbsp;&#8222;Imagine&#8220; von Weitem. Der bunte Anstrich ist wirklich hilfreich. Eine erste oberfl\u00e4chliche Besichtigung m\u00fcndet dann schnell in dem Ergebnis: Wir habe die richtige Entscheidung getroffen. Im ersten Erscheinungsbild zeigt sich, dass der Zustand \u00fcberaus gut und die&nbsp;verwendete Ausstattung von hoher Qualit\u00e4t sind. F\u00fcr den n\u00e4chsten Tag sind wir mit unserer Madame Dupland von Carabien- Yachts verabredet. Nun wird es richtig spannend, wie das Schiff von Innen aussieht.<\/p>\n<p>Die ersten Tage gehen dahin. Unsere kleine Wohnung in der Anse d&#8216; Arlet ist ein \u00fcberaus wichtiges R\u00fcckzugsgebiet, wo wir uns erholen und auf unser neues Leben einstellen k\u00f6nnen. Wir kochen gut, schlafen sehr viel und schauen deutsches Fernsehn per Internetstream. Auf dem kleinen Balkon k\u00f6nnen wir nun anlanden. Mit dem Auto, das wir als fliegende Werkstatt oder B\u00fcro bezeichnen, fahren wir morgens durch die Dschungellandschaft &#8222;zur Arbeit&#8220;.<\/p>\n<p><a class=\"ngg-fancybox\" title=\" \" href=\"http:\/\/isenbiel.info\/wordpress\/wp-content\/gallery\/martinique-1\/IMG_0081.jpg\" rel=\"\" data-image-id=\"28\" data-src=\"http:\/\/isenbiel.info\/wordpress\/wp-content\/gallery\/martinique-1\/IMG_0081.jpg\" data-thumbnail=\"http:\/\/isenbiel.info\/wordpress\/wp-content\/gallery\/martinique-1\/thumbs\/thumbs_IMG_0081.jpg\" data-title=\"IMG_0081\" data-description=\" \"><img decoding=\"async\" class=\"ngg-singlepic ngg-none\" src=\"http:\/\/isenbiel.info\/wordpress\/wp-content\/gallery\/martinique-1\/thumbs\/thumbs_IMG_0081.jpg\" alt=\"IMG_0081\"><\/a><\/p>\n<p>Madame Dupland erwartet uns dann. Sie ist ein Organisationstalent und \u00fcberaus bedeutend f\u00fcr uns, weil wir uns auch ein wenig bei ihr anlehnen k\u00f6nnen. Sie ist witzig und heiter, muss aber auch eine Menge gleichzeitig bew\u00e4ltigen. Jedenfalls kommen wir so in Kontakt mit dem gutaussehenden Alain, der uns in einem Gutachten best\u00e4tigt, dass wir ein wirklich gutes Schiff kaufen werden. Auch seine K\u00f6rpersprache verr\u00e4t mir, dass er vom Zustand begeistert ist. Leider verliert er seine Sonnenbrille. Tage sp\u00e4ter liegt sie tief vergraben in einer Vorschiffsbackskiste. Wir suchen zun\u00e4chst alle, aber das Schiff ist wohl zu gro\u00df. Der Vorbesitzer hat eine portable Klimaanlage installieren lassen, was \u00fcberaus angenehm ist. J\u00f6rg macht sich auf den Weg, um Werkzeug zu kaufen. Alan: &#8220; C&#8216; est la m\u00eame chose que des infantes au magasin jeux &#8222;. Jedenfalls kommt er vorl\u00e4ufig nicht wieder, w\u00e4hrend Madame Dupland und ich weiter die Geheimnisse des Schiffes erkunden. Sie ist wohl auch mal allein mit ihrer zehnj\u00e4hrigen Tochter in der S\u00fcdsee gesegelt und meint, es g\u00e4be dort interessante Wildpferde zu reiten. Ich habe meine Reithose im Gep\u00e4ck, wer wei\u00df, was sich noch alles ergibt?<\/p>\n<p>In der ersten Woche schaffen wir viel: Erkundung des Bootes, Gutachten, Verhandlung mit dem Vorbesitzer \u00fcber die fehlende Rettungsinsel, Kauf eines Beibootes mit Aluboden und Erwerb von Antifoulingfarbe.Wir lernen nicht mehr selbst nach Gesch\u00e4ften zu suchen, sondern machen uns vorher schlau.<\/p>\n<p>Hier gibt es deutlich weniger Monopolisierung, daher&nbsp;ist die Angebotsseite auch un\u00fcbersichtlicher. Die Verkaufsfl\u00e4chen sind anders strukturiert.<\/p>\n<p>Die &#8222;karibische Gelassenheit&#8220; wird uns zum Vorbild. Gie\u00dft es wie aus Eimern, wartet man halt oder zieht die Schuhe aus, um den Regen zu genie\u00dfen. Eine Frau will ihre Ballerinas dadurch sch\u00fctzen, dass sie immer erst die Ferse aufsetzte, wie ein Kind, das Laufen lernt. Unsere Blicke begegnen sich, als sie merkt, dass ich ihre neue Gangart beobachte.<\/p>\n<p>Am Ende sind die Schuhe trotzdem nass und wir beide l\u00e4cheln uns an. M\u00e4nner fahren hier auch im Regen angezogen wie zur Tour de France und drehen ihre Runden. Ich erinnere mich an &#8222;und ihre Leiber gl\u00e4nzten in der Sonne&#8230;&#8220; und wie sch\u00f6n unser Abschied aus Hamburg war.<\/p>\n<p>Wir haben uns unser neues Leben ja bewusst so ausgesucht, also warten wir mal, was so kommt. Das Schreiben macht mir Spa\u00df und so kann ich etwas siddarthern, was mir gut tut.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sonntag auf Martinique<\/strong><br \/>\nEs ist merkw\u00fcrdig still geworden. Im Dorf kr\u00e4ht irgendwo ein Hahn und ich h\u00f6re den Fl\u00fcgelschlag anderer V\u00f6gel, die an unserer Terasse vorbeifliegen. Es ist ja auch Tag geworden.<\/p>\n<p>Nach einem ausgiebigen Fr\u00fchst\u00fcck sitzen wir im Schatten und jeder verliert sich in seine Baustellen, im Hintergrund arbeitet die Waschmaschine. Jeans bleibt mir vom Leibe, ich schwitze auch so im Sitzen. Der Kaffee tut sein \u00dcbriges. Sorry, beim Schreiben beschl\u00e4gt mir schon wieder die Brille.&nbsp;<\/p>\n<p>Gestern Abend habe ich die erste Cucaracca gesichtet und spontan erschlagen. War jetzt auch nicht sooo schlimm. Vorsorglich lege ich alle Sachen hoch, schlie\u00dflich hat das hier auch System in der Wohnung.<\/p>\n<p>Am Nachmittag waren wir am Meer und haben in einer Bar zwei Biere genommen. So schwingen wir uns auf unsere neue Seite ein und studieren, wie man in der Grand Anse so vor Anker liegt, das Dinghi festmacht und erste Restaurants findet. Alles macht einen sehr verschlafenen Eindruck, schlie\u00dflich ist ja auch noch Vorsaison oder es herrscht halt karibische Gelassenheit.<\/p>\n<p>Mit den F\u00fc\u00dfen sind wir im Wasser und befinden beide, dass wir hier richtig sind. Am Sonntag schaffen wir es endlich, die Verteilerliste f\u00fcr Nachrichten nach Hause zusammenzustellen, erholen uns ausgiebig, gehen nachmittags zum Baden. Zum Sundowner findet sich spontan eine Bude mit Meerblick. Eine Band unterst\u00fctzt durch einen Saxophonspieler probt ein bisschen, spielt dann doch , w\u00e4hrend das Meer noch kurz silbern wird, bevor die Dunkelheit einbricht. Ein T\u00e4nzer, der sich auff\u00e4llig wichtig macht, hat ganz kleine Augen. Wahrscheinlich komplett stoned . Ich mache mich damit vertraut, wie die anderen mit ihm umgehen. Du nervst mich zwar, aber ich behandle dich ganz normal, freue mich abschlie\u00dfend, wenn du weg bist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ohne Erdung &#8222;Welche Lieder wollen wir denn singen? Ich w\u00e4hl da mal was aus&#8220;, war Rainers Vorschlag&nbsp;gewesen.&#8220; Als Zugabe spiele ich Imagine, weil das Schiff doch so hei\u00dfen k\u00f6nnte.&#8220; Wir landen abends in Fort de France und sind komplett falsch angezogen. Schlie\u00dflich war es bei unserem Abflug in Hamburg am 1. 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