{"id":3422,"date":"2020-04-21T23:59:12","date_gmt":"2020-04-21T21:59:12","guid":{"rendered":"https:\/\/isenbiel.info\/wordpress\/?p=3422"},"modified":"2023-02-19T12:39:32","modified_gmt":"2023-02-19T11:39:32","slug":"das-neue-segeln-heisst-warten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/isenbiel.info\/wordpress\/2020\/04\/21\/das-neue-segeln-heisst-warten\/","title":{"rendered":"Das neue Segeln hei\u00dft warten."},"content":{"rendered":"<p>Zugegeben, es gibt schlimmere Orte f\u00fcr die Quarant\u00e4ne als auf seinem Boot in einer Ankerbucht vor Martinique zu liegen und auf bessere Zeiten zu warten.<\/p>\n<p>Die Situation hier in der Karibik ist \u00e4hnlich wie in allen Destinationen der \u00fcblichen Langfahrtseglerrouten. Es geht nichts mehr. Praktisch alle Inseln und selbst\u00e4ndigen Staaten sind dicht und lassen keine Boote mehr herein. Manche verbieten sogar das Auslaufen, andere fordern die nicht ans\u00e4ssigen Segler auf, die Ankerpl\u00e4tze zu verlassen.<\/p>\n<p>Hier auf Martinique k\u00f6nnen Boote aus Staaten des Schengenraumes nach Voranmeldung noch einlaufen. Boote anderer Nationalit\u00e4ten, die schon vor dem Lockdown da waren, werden geduldet und k\u00f6nnen bleiben.<\/p>\n<p>Alle unterliegen wir hier den sehr strengen franz\u00f6sischen Ausgangsbeschr\u00e4nkungen. Landg\u00e4nge m\u00fcssen angemeldet werden. Man muss ein entsprechendes Papier oder die elektronische Form davon bei sich haben. Bei Versto\u00df werden 135 Euro Bu\u00dfgeld f\u00e4llig. Die Landg\u00e4nge d\u00fcrfen nur zu bestimmten, klar festgelegten Notwendigkeiten (Einkauf, Arztbesuch etc.) erfolgen und sind auf eine Stunde begrenzt.<\/p>\n<p>Schwimmen um das Boot in maximal 15 m Entfernung ist erlaubt, aber keine anderen wassersportlichen Aktivit\u00e4ten, wie Kiten, Surfen, Paddeln, Schnorcheln oder Tauchen. Diese Vorschrift im Zusammenhang mit Ansteckungsgefahren erschlie\u00dft sich nicht unmittelbar. Ihr Zweck liegt darin, den Einheimischen, die nicht an den Strand und zum Baden d\u00fcrfen, die Einhaltung der Disziplin zu erleichtern, in dem man entsprechende Einschr\u00e4nkungen auch gegen\u00fcber den sowieso schon privilegierten Yachties durchsetzt. Die Gendarmerie f\u00e4hrt mit Booten regelm\u00e4\u00dfig Streife und \u00fcberwacht die Einhaltung. Das Bewegen der Boote ist nur zum Wasser- und Dieseltanken erlaubt, dann muss man an seinen Ankerplatz zur\u00fcckkehren. Ein mal pro Tag \u00fcberfliegt uns ein Hubschrauber der K\u00fcstenwache und macht Bilder von den verschiedenen Ankerpl\u00e4tzen. Von 20.00 Uhr abends bis 5.00 morgens ist absolute Ausgangssperre. Soweit die Restriktionen.<\/p>\n<p>Man richtet sich ein, strukturiert den Tag klar durch und wartet auf bessere Zeiten.<\/p>\n<div class=\"epyt-video-wrapper\"><iframe  id=\"_ytid_37584\"  width=\"640\" height=\"360\"  data-origwidth=\"640\" data-origheight=\"360\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/F5ajVX6ze-M?enablejsapi=1&#038;autoplay=0&#038;cc_load_policy=0&#038;cc_lang_pref=&#038;iv_load_policy=1&#038;loop=0&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;playsinline=0&#038;autohide=2&#038;theme=dark&#038;color=red&#038;controls=1&#038;disablekb=0&#038;\" class=\"__youtube_prefs__  epyt-is-override  no-lazyload\" title=\"YouTube player\"  allow=\"fullscreen; accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen data-no-lazy=\"1\" data-skipgform_ajax_framebjll=\"\"><\/iframe><\/div>\n<p>Los geht es gegen 7.00 morgens mit einem immer noch herrlichen Bad im klaren Wasser der Karibik bei ca. 26 Grad. Dann folgen ein Tee und die obligatorische Zeitungslekt\u00fcre.<\/p>\n<p>Die Versorgungslage ist gut und die \u00f6rtlichen Einzelh\u00e4ndler und Restaurants bieten ihre besonderen Service- und Lieferleistungen an. Wenn man will, kann man sich ganze Men\u00fcs an Bord liefern lassen. So hatten wir zu Ostern Red Snapper in karibischer So\u00dfe direkt geliefert bekommen.<\/p>\n<p>Die Fischer blasen morgens auf der Conch (vgl. Video), wenn es frischen Fisch gibt. Gegen 7.30 kommt ein junges P\u00e4rchen mit dem Dinghy vorbei und liefert frisches Baguette und Croissants ans Boot. So ist ein leichtes Fr\u00fchst\u00fcck gesichert. Am Nachmittag kommt der Lieferant der \u00f6rtlichen Craftbierbrauerei. Nicht preisg\u00fcnstig, aber lecker. Der Abend geht also auch klar.<\/p>\n<p>Jeden Morgen machen wir eine halbe Stunde Gymnastik auf dem Vorschiff bevor die Sonne zu hoch steht. Montags, Mittwochs und Freitags gibt es eine Funkrunde der Segler in Eigenregie in englisch und franz\u00f6sisch in der man die neuesten Informationen, Hinweise und Tipps erh\u00e4lt. Im Anschluss daran werden noch die entsprechenden Facebook-Runden aufgesucht, dann ist man f\u00fcr den Tag informiert.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich lesen wir auch ausgiebig Zeitung, aber die Lekt\u00fcre ist ja nicht gerade aufbauend, so dass wir auch gerne anderer Lekt\u00fcre zusprechen.<\/p>\n<p>Der Rest des Vormittags geht mit Arbeiten am Boot drauf, es gibt immer etwas zu tun. Einmal in der Woche ist Gro\u00dfeinkauf in Le Marin. Dahin geht es mit dem Beiboot. Im Supermarkt ist die Anzahl der Kunden begrenzt, so dass man schon mal eine gute Stunde auf Einla\u00df warten kann. Nat\u00fcrlich tragen wir bei diesen Ausfl\u00fcgen Schutzmasken und Einmalhandschuhe.<\/p>\n<p>So notwendig f\u00fcr andere der Baumarkt, so notwendig ist f\u00fcr die Segler der Schiffsausr\u00fcster, der hier zu den systemrelevanten Einzelhandelsgesch\u00e4ften z\u00e4hlt und deshalb ge\u00f6ffnet hat. Klar darf man in den engen Laden nicht hinein, sondern man tr\u00e4gt dem maskenbewehrten Verk\u00e4ufer sein Anliegen vor. Der verschwindet in den tiefen seines Sortiments und kommt, wenn man Gl\u00fcck hat, mit dem richtigen Teil. So kann an Bord weiter gewerkelt werden.<\/p>\n<p>Ein kleiner Mittagsimbiss und der obligatorische Mittagsschlaf folgen. Dann wird kommuniziert, \u00fcber das Internet Schach gespielt oder auch an einem Film oder Artikel gearbeitet. Gegen 15.00 gibt es Tee in der angenehmen und leichten Brise auf dem Vorschiff. Ab 17.00 wird dem sozialen Leben, soweit dies m\u00f6glich ist gefr\u00f6nt. Man besucht andere Segler oder wird besucht. Jeder bringt seine Getr\u00e4nke mit und der Besuch bleibt auf Distanz im Beiboot, man selbst bleibt an Bord. Auch werden die Verabredungen so getroffen, dass (meistens) nur ein Beiboot gleichzeitig zu Besuch ist.<\/p>\n<p>Der Sonnenuntergang kommt fr\u00fch, so ist mit dem Plausch gegen 18.30 Schluss. Nun wird die Hauptmahlzeit des Tages mit mehr oder weniger gro\u00dfem Aufwand zubereitet. Dann schlie\u00dfen sich Film, Fernsehn oder eine Musikkonserve &#8211; Oper oder Konzert an. Gegen 22.00 fallen wir dann ins Bett. &#8211; Wie gesagt, man kann es schlechter treffen.<\/p>\n<p>Neben den schon geschilderten Restriktionen zeichnet sich aber ein f\u00fcr alle Segler gleiches Problem am Horizont ab. Die Hurrikansaison r\u00fcckt unerbittlich n\u00e4her. Offiziell beginnt sie am 1. Juni, so steht es in den Handb\u00fcchern und wir hoffen nat\u00fcrlich alle, dass die Hurrikans lesen k\u00f6nnen. Wie aber damit umgehen. Hier wird das Warten dann zum Nervenspiel. Nach und nach bilden sich verschiedene L\u00f6sungen heraus, denen sich die Mitsegler zuordnen.<\/p>\n<p>Die Anker- und Bojenlieger lassen es darauf ankommen und machen erst mal nichts.<\/p>\n<p>Diejenigen, die einen Platz hier in Martinique an Land gebucht haben, warten auf den Krantermin.<\/p>\n<p>Die S\u00fcdsegeler, die aus dem Hurrikangebiet heraus nach S\u00fcden wollen, warten darauf, dass Grenada und Trinidad\/Tobago die H\u00e4fen wieder \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Die Heimsegler wollen in ein oder maximal zwei Steps, mit erhofftem Proviantstopp auf den Azoren, \u00fcber den Nordatlantik segeln und schlie\u00dfen sich zu mehr oder weniger ergiebigen Diskussionsgruppen auf whatsapp zusammen und warten auf das richtige Wetterfenster.<\/p>\n<p>Die Europatransporter, zu denen auch wir nach langer \u00dcberlegung und Diskussion z\u00e4hlen, denn wir hatten schon einen Platz auf dem Trockenen fest gebucht, warten auf das Cargoschiff, das die Yacht an Bord nimmt und hoffen, dass auch weiterhin noch Fl\u00fcge nach Europa gehen.<\/p>\n<p>Unser Transporter soll am 3. Mai kommen. Schauen wir mal, wie es dann weiter geht.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zugegeben, es gibt schlimmere Orte f\u00fcr die Quarant\u00e4ne als auf seinem Boot in einer Ankerbucht vor Martinique zu liegen und auf bessere Zeiten zu warten. Die Situation hier in der Karibik ist \u00e4hnlich wie in allen Destinationen der \u00fcblichen Langfahrtseglerrouten. Es geht nichts mehr. 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