{"id":377,"date":"2017-01-15T22:39:12","date_gmt":"2017-01-15T21:39:12","guid":{"rendered":"http:\/\/isenbiel.info\/wordpress\/?p=377"},"modified":"2017-01-15T22:39:50","modified_gmt":"2017-01-15T21:39:50","slug":"vom-nutzen-der-kultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/isenbiel.info\/wordpress\/2017\/01\/15\/vom-nutzen-der-kultur\/","title":{"rendered":"Vom Nutzen der Kultur"},"content":{"rendered":"<p>&#8220; Das Gef\u00fchl der menschlichen Ohnmacht ward ihr ein k\u00f6stlicher Genuss.&#8220; schreibt Flaubert auf S. 608 und hat damit vorausgesehen, wie es sich anf\u00fchlt, wenn man schon 1,5 Stunden in der Schlange steht, um sich einzuklarieren. Ein Computer f\u00fcr alle, jeder Vorgang dauert ungef\u00e4hr 15 min und die Schlange ist eher zu lang. Vor mir steht ein Amerikaner, der von Alaska, also die amerikanische Westk\u00fcste runter, durch den Panamakanal in die Karibik gesegelt ist und hier eine Art Segelschule betreibt. Er fragt an, ob ich ihm helfen wolle, er sei etwas oldfashioned. Der hat Nerven!<\/p>\n<p>Ich selbst denke mir, das ist hier so, als wolle man einer Klasse einen Film zeigen, nur klappt das irgendwie nicht. Daher der Hang zur Ohnmacht.<br \/>\nAuf der Nachbarinsel St.Lucia ist die Chose noch kurioser. Alles wird mit Blaupapier als Durchschlag von Hand ausgef\u00fcllt. Meinetwegen, aber ich w\u00fcsste jetzt gerade nicht, ob man dies noch in Hamburg \u00fcberhaupt bekommt. Stark war eigentlich auch Frau Oberwichtig, die in eine schmucklose Uniform gezw\u00e4ngt, passte wohl schon mal besser, hinter einem viel zu m\u00e4chtigen Schreibtisch sa\u00df&nbsp;und genu\u00dfvoll donnernd in die P\u00e4sse stempelte, wenn sie vorher herrisch &#8222;Next one &#8220; gebrummt und in endlicher Zeit ihre ganzen unn\u00fctzen Utensilien abgewischt hatte.<br \/>\nDa bekommt man ein anderes Gef\u00fchl menschlicher Ohnmacht.<br \/>\nFlaubert, Kind des 19. Jhrds, beschreibt in Emma eine Frau, die sich \u00fcber die moralische Konvention ihrer Zeit hinwegsetzt um &#8220; mit gerafften R\u00f6cken&#8220; ,wie der Germanistikprof in Marburg treffend bemerkte,&#8220; \u00fcber den Acker zu ihrem Liebhaber zu eilen.&#8220;Man denke jetzt nur an die Schuhe, Stiefel, Stiefeletten, wahrscheinlich. Das Ganze wirkt zun\u00e4chst ja doll, ist im Grunde aber stockkonservativ, weil die Figur sich zwar nimmt, was sie m\u00f6chte, aber eben eher manisch, depressiv, also etwas balla ist. Beeindruckend bleibt der Stil: Im Augenblick gr\u00f6\u00dfter Spannung ( Emma will mit ihrem Liebhaber durchbrennen), verliert sich unser literarisches Vorbild in langweiliger Beschreibungen des Ortes, um im kleinkindlichen 3 Wortsatz zu sagen. &#8222;Er kam nicht&#8220;.<br \/>\nDa \u00e4rgere ich mich nun, weil Simon, unser franz\u00f6sischer Mechaniker, eben auch nicht kommt bzw. nicht um 16.00 Uhr zur\u00fcckgerufen hat, wenn er 12.00 Uhr gesagt hat. Am Ende hat sich dann doch alles geregelt, aber ich bedanke mich bei Flaubert, dass die Lekt\u00fcre ein k\u00f6stlicher Genuss gewesen und die Wartezeit auf den Mechaniker verflogen ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220; Das Gef\u00fchl der menschlichen Ohnmacht ward ihr ein k\u00f6stlicher Genuss.&#8220; schreibt Flaubert auf S. 608 und hat damit vorausgesehen, wie es sich anf\u00fchlt, wenn man schon 1,5 Stunden in der Schlange steht, um sich einzuklarieren. Ein Computer f\u00fcr alle, jeder Vorgang dauert ungef\u00e4hr 15 min und die Schlange ist eher zu lang. 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