Koloniales Erbe

Sobald mein Handy in St. Vincent and the Grenadines sich einloggt, bekomme ich von meiner Telefongesellschaft in Deutschland den Warnhinweise, dass fortan die Anrufe in die EU 2.49€/min, eingehende Anrufe 1,59€/min kosten werden. O2 wünscht schöne Reise und behandelt mich hier wie in einem 3. Welt Land, was wohl auch ein zutreffender Hinweis ist.

Ein Ziel, das wir immer wieder gerne anlaufen ist die Insel Mayreau, die zum Staat St. Vincent and the Grenadines gehört.
An ihrem Beispiel ist die Wirkung manchen kolonialen Erbes wie in einem Brennglass fokussiert.
Das beginnt schon mit dem Namen, der auf eine französische Inbesitznahme schließen läßt.
Bekanntlich haben Frankreich und England sich in der Karibik einen ausgiebigen, kriegerischen Streit um die Kolonien geliefert, obwohl oder weil sie ja das gleiche Interesse der Ausbeutung dieser Gegend geteilt haben.
So wurde Mayreau zwar von einer (!) französischen Familie in Besitz genommen, die mit Hilfe der importierten Sklaven den Zuckerrohranbau auf der Insel betrieb, die politische Herrschaft ging aber bald an das britische Empire über und die Insel ist heute Teil des schon erwähnten Staates St. Vincent and the Grenadines.
Was aber doch immer wieder erstaunt, ist, dass bei allen politischen Verwicklungen und Veränderungen die Eigentumsverhältnis weitgehend unangetastet bleiben. Denn auch heute noch gehören über zwei Drittel des Landes noch jener Familie bzw. deren Erben, was auch unmittelbare Auswirkungen auf die Segelszene hat, die hier gerne in der Saline oder in der Salt Whistle Bay ankert und nicht unerheblich zum Einkommen der zumeist farbigen Einwohner beiträgt.
Befindet sich nämlich ein (kleineres) Kreuzfahrtschiff ebenfalls vor Anker in der Saline Bay, so ist der Strand, der Privatgrund ist, für normale Yachties gesperrt und temporär an die Kreuzfahrer, von denen die Einheimischen so gut wie nichts haben, da alles von Bord mitgebracht wird, vermietet.
In der nebenan liegenden Trois Anse wird ein neues Luxusresort gebaut und die Yachties sind auch ohne Kreuzfahrer nicht willkommen, wie der freundliche Vertreter der Security bedauernd mitteilt.

Eine weitere Folge der kolonialen Geschichte dieser ehemals englischen und jetzt unabhängigen Inseln ist die mangelhafte Beschulung und Ausbildung. Dies erleben wir u.a. daran, wenn von ca. 60 Familien, die auf der Insel leben, sich wochentags mindestens 15 schulpflichtige Kinder damit beschäftigen vom Steg ins Meer zu springen oder Fahrradkunststücke zu entwickeln. Ein Mädchen erklärt mir, dass eben nicht jedes Kind einen Platz in der Schule habe.

Da sind die Verhältnisse in den französischen Überseedepartments doch deutlich besser.

Zum Ende aber gibt es auch eine positive Entdeckung zu vermelden: In der Windward Bay auf der entsprechenden Inselseite gibt es seit einem Jahr eine schöne, neue Strandbar: The Ranch Escapade. Man kann vom Anleger in der Saline Bay dahin laufen oder sich auch chauffieren lassen. Drinks und Essen sind gut und die Ausblicke auf die Tobago Cays wirklich sehenswert.

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