Aus einer anderen Zeit: Streifzug über Antigua

Gerade weil momentan alles so entsetzlich ist, soll der Blick zurück Balsam für die Seele sein.
Mitte Februar segeln wir mit HARMONIE und COURANTE von Guadeloupe nach Antigua. Wir kommen flott voran und werden, wie man auf dem Video sieht, von Delphinen begleitet. Einer macht sogar Luftsprünge, wie wir sie in 4 Jahren nie gesehen haben.

In Falmouth auf Antigua treffen wir auf Segelyachten im Megaformat, die hier für die anstehenden Regatten trainieren. Schiffe mit 20 bis 25 Mann Besatzung sind für die Antigua Racing Week keine Seltenheit. Die Mannschaft kann auf diesen zum Teil wirklich formschönen Yachten nicht leben. Die Sportler werden ja auch nur für die Regatta benötigt. Dann zieht der Segelzirkus weiter.
Ich entdecke den Trimaran von Marserati, den man sich wie einen Formel 1 Wagen auf dem Wasser vorstellen kann. Mich interessiert, wie er innen ausgestattet ist. Leider ist nie jemand an Bord, den ich mal interviewen kann. Wer Interesse hat, muss das dann mal googeln. Meinen nie geschriebenen Artikel hätte ich gerne “Inside the Maserati” genannt. Die ‘Schiffe’ heben so weit aus dem Wasser ab, dass sie nur auf schmalen Kufen laufen. Bei dem Race über den Atlantik geht es um Tage, Minuten und Sekunden. An Kaffeetrinken bei Sonnenaufgang ist dabei nicht zu denken.
Mit Uelli und Silvi geht es in Falmouth gleich die Berge hoch und runter. Die Wanderung endet in English Habor bei einem schönen Cappuccino mit Blick auf die alten Rennyachten aus Holz von denen eine schöner ist, als die andere. Liegen tun diese Schuckstücke vor historischer Kulisse in Nelson’s Dockyard. Wenn man als Betrachter die Vielzahl der Flaggen anschaut, fällt doch auf, dass der englische Geldadel sehr viel Kapital über Jahrhunderte vererbt und u.a. hier geparkt hat.
In English Harbor lag die englische Flotte, die mit der französischen um die Vorherrschaft in der Karibik kämpfte. Gebäude und Häuser aus dem 18. Jhdt sind wieder restauriert und werden auch noch genutzt. Hätte man nicht selbst einen Sonnenhut auf, käme man sich wie im Perückenzeitalter vor.
Heute ist die gesamte Anlage eine modern ausgestattete Marina mit angegliedertem begehbarem Museum. Auch die Einklarierungsstelle befindet sich hier.
Am Sonntag fahren wir mit dem Taxi auf die Anhöhe Shirley Heights und blicken wie Nelson selbst auf die unter uns liegende Bucht. Hier gibt es Steelbandmusik, die viel zu laut ist, lange Schlangen an den Grillständen und karibische Quirligkeit. Ein Besuch dieser Veranstaltung gehört aber unbedingt zu Antigua. Der Andrang ist gewaltig und das Gedränge uns zu groß, so dass wir kurz nach Sonnenuntergang wieder zurückfahren und in einem Restaurant im Ort etwas essen.
Am Strand unseres Ankerplatz entdecke ich Reiter. Und tatsächlich, es gibt hier das Angebot am Strand zu reiten und mit den Pferden zu schwimmen. Das ist für mich das Projekt, für den anstehenden Besuch von Nina und Björn! Vorstellung und Wünsche von gestern.
Nach ein paar Tagen laufen wir in der Nonsuch Bay ein und ankern hinter einem Riff. Ähnlich wie auf Union Island liegt vor uns nur der weite Blick nach Afrika. Kitesurfer nutzen die Größe der Bucht und ziehen ihre Kreise. Eine Kiteschule gibt es auch und man kann über das Netz Kurse buchen. Ist vielleicht etwas für Björn, wenn er kommt. Die Bucht ist gesäumt von exklusiven Ressorts, die nach unserem Eindruck keinen Wert auf einen Besuch der ankernden Segler legen.
An einem Nachmittag entdecken wir ein fliegendes Beiboot am Himmel! Es ist ein Motordrachen, der statt Schwimmern, wir wollen es alle nicht glauben, ein Beiboot unter sich hat. Relativ gekonnt manövriert der Flieger über uns hinweg, allein wir wünschen uns doch, dass er nicht bei uns landen möge.
Wir ziehen nicht weiter die Ostküste von Antigua hinauf, sondern gehen nach ein paar Tagen an die Westseite über Jolly Harbor, die Morris Bay, die Deep Bay zur Dickinson Bay, wo wir zusammen mit Uelli und Silvi auf einer Floating Bar ( auf einem zur Bar ausgebauten Floß) noch einmal sehr viel Spaß haben.
Zusammen zurück in Falmouth haben wir noch ein paar launige Tage, kaufen beim Schiffsausrüster noch eine Flagge für Montserrat, was vielleicht ein neues Ziel für den Törn mit Nina und Björn sein könnte.
Man kann dort eine Rundfahrt zu den vom Vulkan zerstörten Teilen der Inseln machen, die wieder freigegeben sind (große Teile sind nach wie vor nicht betretbar), außerdem gibt es dort alte Studios zu besichtigen, wo die Beatles und Stones Aufnahmen gemacht haben.
“Holt ihr man erstmal euren Besuch ab. Wir sehen uns dann in ein paar Tagen wieder”. So verabschieden uns Silvi und Uelli in Falmouth, und wir segeln über die Isles des Saintes nach Point a Pitre auf Guadeloupe, unserem Besuch entgegen.

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