In 90 Sekunden an Deck

sind die 80 Auszubildenden an Bord des Segelschulschiffes DANMARK, wenn eine Feuerübung angesagt ist. Zwei junge Dänen, Laura und Christian, führen mich voller Stolz durch ” ihr” Schiff, wo sie eine nautische Ausbildung bekommen, indem sie die kleine Atlantikrunde machen, – im Herbst in Dänemark starten und im Frühsommer aus der Karibik über den Nordatlantik zurück.

80 junge Leute im Alter von 17 bis 25 Jahren lassen sich für mehrere Monate auf ein Leben ein, wie es Matrosen im 19. Jhd leben mussten. Sie wählen das entbehrungsreiche Dasein freiwillig und finden es großartig. Abenteuer, Teamgeist und das ganz große andere ( dabei leuchten ihre Augen) werden immer wieder genannt.

Sie bekommen Unterricht in Navigation, Segelführung und den traditionellen Gewerken und sind ganz in ihre Tagesaufgaben versunken. Ich bin eher diejenige, die bei der Besichtigung immer ausweichen muss, weil sauber gemacht, geschliffen, lackiert, gekocht etc. wird.

Es gibt klare Strukturen und Hierarchien. Jeder ist eingebunden in seine Mannschaft und die über Tag und Nacht durchstrukturierte Taktung der Dienste. Für den Landgang wird eine mit Messing ausgekleidete Tafel bereit gestellt, wo jeder via Stecksystem seine An – oder Abwesenheit feststeckt. Sollte man in diesem Punkte nachlässig sein, gibt es richtig Ärger, versichern mir meine beiden Guides.

Mich begeistert das konkret Praktische dieses Lebens: Die Trainees haben jeder eine Nummer, zwei Handtücher für die Reise, eine Hängematte zusammen mit 80 anderen in einem Raum, nummerierte Gummistiefel, Rettungsausstattung und Overall. Im Dienst wird Marineblau getragen. Überzeugende Sicherheitsschuhe sind die richtige Garderobe für die Füße. Denn alle gehen die Wanten hoch, zweigen dann seitlich auf die Fußpferde ab, wo sie in schwindelnder Höhe ( der Hauptmast hat die Höhe von 38 m )die Segel bergen und lösen. ” Das kann bei uns jeder,” ist die entspannte Aussage von Laura und Christian dazu. Der Spind ist vielleicht 30cm breit und enthält das Wesentliche.

 

Schiebt das Schiff Lage, bauen sie sich eine Art Quarre am Tisch , damit das Geschirr sicher ist. Geduscht wird immer mit dem Gedanken, es gibt auch die Kollegen.

Warum zieht sich jemand Knieschoner an, wenn er doch nicht Fliesenleger wird ? Und schrubbt das Deck? Oder schleift endlose Handläufe per Hand, wofür es doch Maschinen gibt.

Abschließend interessiert mich noch die Frage nach den Handys. ” Ich bin total digitalgedetoxt.” Beim Landgang werden sie herausgegeben. Die DANMARK hat natürlich ein Satellitentelefon für Notfälle.

Der herrliche Geruch in der Vorpiek, wo Tropenhölzer und Werkzeuge verstaut sind, lässt mich erahnen, was der besondere Spirit dieses Schiffes ist. Die Zeit an Bord ist vermutlich ähnlich eindrucksvoll wie gelungene Klassenreisen, die in Erinnerung bleiben und mit einem schönen Gefühl assoziiert werden, obwohl alles unglaublich anstrengend gewesen ist.

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