Ansegeln im Schneckentempo

14 Tage dauert es, bis ich mir wieder Zeit nehme, etwas zu schreiben. Dann nämlich sind wir halbwegs fertig und haben auch keine Spaßbaustellen mehr.

Diese sind neue Erfindungen, Verbesserungen der segelbedingten Abläufe. Wie z.B. die Markierung der Ankerkette für den entscheidenden Einsatzpunkt des Hahnepots ( zwei seitlich geführte Leinen werden vorne mit der ausgelaufenen Kette verbunden, um die Zugkräfte vernünftig zu verteilen). Das Ganze vermindert auch die Möglichkeit, dass ich wieder aus Versehen in den Kettenkasten falle und zu Gregor Samsa werde.

Die technischen Daten sind schnell erzählt: Das Schiff ist relativ sauber, die Energieversorgung läuft, Solar und Windgenerator werden vom Elektriker zügig in Marsch gesetzt, in dem das steuernde Relais entsprechend angeschlossen wird. Unter der Steuerboardmaschine sammelt sich schönes blaues Getriebeöl. Wir kommen beim Krabbeln im Maschinenraum wieder einmal zu der gemeinsame Erkenntnis, dass wir uns das alles hier ja wohl selbst ausgesucht haben. Die praktische Seite des Erkennens ist ein zu lose sitzender Ablassschlauch für das Getriebeöl, den ein Mechaniker später ersetzt. Wie schön ist die Welt ohne Öl an falscher Stelle!

Ganz schlau lasse ich mich dazu hinreißen, doch mal eben die paar Stellen am Unterwasserschiff auszubessern, indem ich sie übermale. Eine volle Dose Antifouling will man ja nicht mitschleppen. So male ich dann in der Summe noch hier und da und damit gleich das Ganze. Farblich etwas verwegen, was daran liegt, dass ich die Farbe zu wenig aufgerührt hatte. Mal schauen, ob die Fische sich melden.

Als wir das Großsegel eingezogen haben, was in der Hitze sehr anstrengend ist, bin ich doch sehr durch den Wind. Das andere Klima, die harte körperliche Arbeit, vor allem die vielen Abschiede in Hamburg setzen mir zu.
Wir haben in der ersten Woche ein Hotel und einen Mietwagen, so können wir uns zwar immer wieder erfrischen und ausruhen, teilen die Arbeit in kleine überschaubare Portionen und fragen uns dennoch: Wozu das?

Jetzt, auf dem Wasser ist es angenehmer, wir machen zwei Probefahrten, können dann gleich eine Pumpe reparieren, die Luft geschluckt hat und verändern noch eine der tausend Leinen am Großsegel, damit im kritischen Fall auch alles perfekt läuft.

Abends sind wir mit den Amerikanern Jules und Frank in großer Gruppe unterwegs oder wir treffen Konny und Hermann in familiärer Runde im AQUARIUM und genießen karibische Musik im Schatten bei einem kühlen Weißwein. Oder wir lassen uns von den Schweizern Silvie und Uli in das Nachtleben der anderen Buchten von Grenada entführen. Spätestens dann sind wir mit unserem selbstgewählten Tempo der Schnecke zufrieden.
Ein kurzer filmischer Eindruck findet sich bei unseren Videos.

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